Hochborner Wasserhäusschen

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Foto: BilderKartell/Ben Pakalski

Von links nach rechts:
Marco Kluge, Netzmeister Wasserwerk Zweckverband in Osthofen
Christian Gukenbiehl, Wasserwerk Zweckverband in Osthofen,
Kurt Braun und Edda Würth, Ideengeber und Gästeführer,
Herwarth Mankel, Bürgermeister der Ortsgemeinde Hochborn
Ute Balz, zukünftige Ortsbürgermeisterin der Ortsgemeine Hochborn

 

Es gibt Angebote, die sind so unwiderstehlich, dass sie einfach nicht ausgeschlagen werden können. Der Kauf eines ausgedienten Wasserhauses zählt vielleicht nicht unbedingt dazu; zumindest nicht für einen Privatmenschen. Für eine Ortsgemeinde sieht die Sache schon anders aus, zumal wenn der Verkaufspreis bei einem einzigen Euro liegt. Die Ortsgemeinde Hochborn hat bei diesem Angebot nicht nein gesagt,  weiß sie doch ganz sicher mit ihren Pfunden zu wuchern. Wobei „Pfunde“ hier stellvertretend für Materialen und örtlichen Begebenheiten stehen, die die rührigen Hochborner aufbereitet und zu Erlebnisstätten umfunktioniert haben. Man nehme als Beispiel nur mal den Windkraft-Lehrpfad, auf welchem drei Flügel ausgestellt sind, die zu einem demontierten Windrad gehörten. 

Keine Frage, dass der noch amtierende Ortsbürgermeister Herwarth Mankel mit Gemeinderat sofort zugegriffen hat, als das Wasserwerk Zweckverband Seebachgebiet Osthofen das historische Gebäude zum oben genannten symbolischen Betrag veräußern wollte. Der Gedanke, „da kann man was damit machen“, lag da schon länger in der Luft, denn bereits 2015 wurde der in unmittelbarer Nachbarschaft stehende neue Hochbehälter gebaut und in Betrieb genommen, informiert Christian Gukenbiehl (Werkleiter Wasserwerk Osthofen). Der Hochborner Kurt Braun schließlich hatte die Idee, das Gebäude zu einem Museum umzufunktionieren. Zumal zum Gelände des Wasser-Hochbehälters ein kleines Waldstück gehört, dass am 2016 eröffneten Bohnerzweg vorbeiführt. Die Idee zu einem "Touristischen Treffpunk auf dem Kloppberg" war geboren. Ja mehr noch: geplant ist ein kleiner "Trimm-Dich-Pfad" um die dortige alte Teichanlage und ein "Meditations-Pfad". „Ein Förderantrag im Rahmen der Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) wurde gestellt und im Frühjahr 2019 bewilligt. Hierdurch erhält Hochborn einen großen 60%Zuschuss zu den Materialkosten des Projektes“, informiert Mankel beim WZ-Besuch. Das Museum im Wasserhaus ist inzwischen fertig gestellt. Unter dem Motto "Wasser ist Leben" werden hier die Gründe für die Planung und den Bau derzentralen Wasserversorgung im ländlichen Bereich von Rheinhessen dargestellt. Ohne eine zentrale Wasserversorgung war nicht nur - damals wie heute - die Landwirtschaft betroffen, auch die ländliche Bevölkerung und die Viehhaltung litten in einigen Jahren extrem unter Wasserknappheit. Die Tafel „Wie in unserer Region alles begann“ startet 1899 und beschreibt die damalige mangelhafte Wasserversorgung. 1904 bewilligte der Osthofener Gemeinderat die Mittel zur Ausarbeitung eines Gruppenwasserversorgungsprojektes – ja, mit komplexen Bezeichnungen hatten es die damaligen Herrschaften auch schon.

Bis 1907 war der Bau von dutzenden von Wasserhäusern und Pumpstationen realisiert. Diese Entwicklung und die damit verbundene Technik hat Kurt Braun im Gebäude exemplarisch unter anderem am Beispiel des Seebachgebietes auf sage und schreibe 15 eigenhändig am PC zusammen gestellten Info-Tafeln zusammengefasst. Im Untergeschoss stehen übrigens zwei lebensgroße Puppen, welche die damaligen Arbeiter bei Reinigungsarbeiten darstellen. Diese sind durch einen Schacht vom Erdgeschoss aus zu sehen. Eine tolle Idee. Das reiht sich in die Reihe der touristischen Highlights der Ära des Bürgermeisters Mankel nahtlos ein. Das Museum kann selbstverständlich besichtigt werden. Man kann sich über den Tourismusverein Wonnegau, die Ortsgemeinde Hochborn einen Gästeführer buchen oder direkt bei Herrn Braun oder Herwarth Mankel anfragen.

Martina Wirthwein-Wormser Zeitung

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